Heyco-Maschine »weltweit einzigartig« Heyligenstaedt: Neue Fräsmaschine setzt Maßstäbe – Millionenaufträge aus Automobilindustrie



Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung

Gießen (pd). An Komplimenten mangelt es nicht: Als »beste Maschine auf dem Markt« wird sie bezeichnet, die Fachpresse rühmt Dynamik und Genauigkeit und nennt die neue HSC-Fräsmaschine »weltweit einzigartig«. Die Rede ist von der »Heynuform Precision dynamics« der Firma Heyligenstaedt. Der Gießener Werkzeugmaschinenhersteller hat die Hochgeschwindigkeitsfräsmaschine gemeinsam mit VW entwickelt. Bei Volkswagen wird das Produkt, das in Wolfsburg als »Heynuform 4000« Oberflächen von großen Formund Schnittwerkzeugen für die Herstellung von Automobil-Karosserieteilen wie Türen, Seitenteilen, Dächern oder Frontklappen mit einer bisher nicht gekannten Präzision fräst, als »wegweisende Investition für die Zukunft« bezeichnet. Im Gießener Unternehmen freut man sich, »dass wir uns imWettbewerb durchgesetzt haben«, bekräftigen im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung Heyligenstaedt- Geschäftsführer Gerhold Knöß und Konstruktionsleiter Günther Rolshausen.
Begonnen hat die Erfolgsgeschichte mit einer Anfrage aus Wolfsburg. »VW wollte spezielle Anforderungen erfüllt haben, die es bisher nicht gab«, erinnert sich Knöß an die enormen Bedingungen in Sachen Genauigkeit, Temperaturverhalten und

Konstanz. Mit dem Ergebnis der einjährigen Entwicklung sorgt Heyligenstaedt nicht nur auf dem heimischen Betriebsgelände in der Wilhelmstraße für Aufsehen. Der Hersteller, dessen Spezialgebiet Schrägbett-Drehmaschinen, Schwerdrehmaschinen und Fräsmaschinen sind, hat mit der »Heynuform Precision dynamics« eine Hochgeschwindigkeitsfräsmaschine entwickelt, die sich auf Anhieb gegen harte Konkurrenz durchsetzen konnte.
Dass die Maschine neue Maßstäbe in der Bearbeitung von Oberflächen setzt, wurde in einem Benchmark bestätigt. »Die Testergebnisse waren überragend«, fasst Knöß die Resultate der »Heynuform« zusammen. Verglichen mit den bis dahin auf dem Markt befindlichen Maschinen lag die Bearbeitungszeit beim Vorschlichten um 35 Prozent und bei der Finalbearbeitung um 15 Prozent unter der Zeit der besten Wettbewerbsmaschine. Zudem wurde die Genauigkeit um über 50 Prozent verbessert.
Die Automobilbranche spricht von einem »Quantensprung in der Bearbeitung von Oberflächen«. In der Praxis bedeutet dies, dass durch die Genauigkeit der Maschine die Durchlaufzeit bis zur Fertigstellung des Autos deutlich reduziert werden kann.

Volle Auftragsbücher

Die Lobeshymnen der Branche haben nicht nur in den Fachzeitschriften, sondern auch in den Auftragsbüchern des Gießener Werkzeugmaschinenherstellers ihren Niederschlag gefunden. Zunächst hat VW drei Maschinen bestellt – Auftragswert acht Millionen Euro. Eine weitere für das Werk in Portugal kam hinzu. Inzwischen ist auch Ford aufmerksam geworden. Aus Köln kam ein Auftrag über 13 Millionen Euro, eine weitere Bestellung über drei Millionen ist im Gespräch. Ebenfalls zu den Geschäftspartnern gehört Audi. Für die Standorte in Ingolstadt und Neckarsulm wurden insgesamt vier Maschinen bestellt – weitere Aufträge sind in Sicht. »Mercedes- Benz hat ebenfalls Interesse signalisiert«, so der Geschäftsführer über den Erfolg der »Heynuform«.
Während im deutschen Maschinenbau ein im Vergleich zum Vorjahr geringeres Wachstum erwartet wird, »entwickeln wir uns gegen den Trend«. Die beiden kommenden Jahre seien allein durch die Aufträge aus der Automobilindustrie »absolut gesichert«, freut sich Knöß für die 200 Mitarbeiter (davon 22 Lehrlinge) des Unternehmens.
Eines der Erfolgsgeheimnisse der 15 mal sechs Meter großen Maschine (Gewicht über 100 Tonnen), für deren Endmontage die Heyligenstaedt- Facharbeiter etwa ein halbes Jahr brauchen, sind die Seitenbetten aus Beton, die deutlich langsamer auf Temperaturschwankungen reagieren als Guss oder Stahl. Weiterhin unterliegt der doppelte Querbalken einer maschinenkörpergeführten Temperaturregelung.
»Die Heynuform ist die beste Maschine auf dem Markt. In Sachen Dynamik und Genauigkeit gibt es nichts Vergleichbares«, sieht Konstruktionsleiter Rolshausen den Gießener Hersteller als aktuellen Marktführer. Und Geschäftsführer Knöß bezeichnet den Erfolg auf dem Werkzeugmaschinensektor als »harte Nuss für die Konkurrenz«.
Solche Erfolge seien vom Ergebnis her schwierig zu planen, erklärt der Geschäftsführer, der dem Unternehmen seit 58 Jahren aktiv verbunden ist und die Geschicke des Werkzeugmaschinenherstellers seit 1995 leitet. Neben den aktuellen Auftraggebern aus der Automobilindustrie sitzen die Heyco-Geschäftspartner derzeit vor allem in Deutschland und Europa..